Geliebt vor jeder Leistung

Mein Name ist Bernadette, ich bin 22 Jahre alt und ich möchte euch mein Zeugnis erzählen…

Ich bin in einer katholischen Familie aufgewachsen. Zumindest als Kind habe ich oft gebetet. Irgendwann habe ich das Interesse daran verloren und ich war jahrelang nicht mehr regelmäßig in der Kirche. Gott, das war für mich nichts „Reales“. Er hat in meinem Leben keine Rolle gespielt. Ich habe schon immer sehr stark gezweifelt, an mir, ob ich gut genug bin, schön genug, intelligent genug, ob ich mit anderen mithalten kann. Ich habe mich immer mit anderen Menschen verglichen und dabei in meinen Augen immer schlechter abgeschnitten. Das Mädchen in der zweiten Reihe, sozusagen.

So habe ich mich in allen Lebensbereichen gefühlt, in meinem Freundeskreis, in der Schule, sogar in meiner Familie. Um damit umgehen zu können und mit dem Schmerz darüber klar zu kommen, dass ich in meinen Augen „weniger wert“ war, habe ich mir ein Schutzschild antrainiert. Mein Schutz gegen all das war Stärke. Vermeintliche Stärke und der Versuch, immer ein bisschen mehr zu leisten. Ich habe mir jahrelang eingeredet, dass ich es anders nicht schaffen werde, geliebt zu werden.

Leistung gegen Liebe und Anerkennung.

Es ist immer schwieriger geworden, und ich bin immer härter geworden, gegen mich selbst. Um es bildlich auszudrücken, mein Herz ist ganz kalt geworden, und hart. Niemand sollte es schaffen, mich zu treffen und zu verletzen. Irgendwann habe ich mich komplett zurückgezogen und niemandem mehr vertraut, wirklich gekannt haben mich sehr wenige Menschen. Meine Fassade war glatt und wahrscheinlich ziemlich gut. Auf jeden Fall hat es sehr lange niemand bemerkt. Innerlich war ich einsam und sehr verzweifelt. Ich habe keinen Sinn gesehen und nach etwas gesucht, dass ich nie gefunden habe.

Durch eine Reihe von scheinbaren Zufällen und Begegnungen mit Menschen, die für mich unfassbar viel getan haben, bin ich einen Tag vor meinem zwanzigsten Geburtstag das erste Mal in meinem Leben in einen Gebetskreis gegangen. Ich kann mich noch so gut an das Gefühl erinnern, angekommen zu sein. Endlich irgendwo angekommen zu sein. Ich habe mich noch immer nicht „gut genug“ gefühlt, aber ich habe plötzlich gespürt, wie müde mich mein Kämpfen und rastloses Suchen gemacht hat.

Ich war angekommen.

In dieser Zeit sind Freunde in mein Leben getreten, die mich aufgerichtet haben, die sich interessiert haben, wie es mir wirklich geht, die die Bitterkeit in mir gesehen haben und vor denen ich nichts leisten musste. Sie haben mir gezeigt, was Freundschaft bedeutet. Und dadurch habe ich Jesus als Freund kennengelernt. Einen Jesus, der für mich kämpfen will, der für mich sogar gestorben ist.

Von allen Dingen ist mir das am schwersten gefallen: Die Kontrolle abzugeben, alles in Jesu Hände zu legen, ihm zu vertrauen.

In der Zwischenzeit habe ich eine neunmonatige Jüngerschaftsschule gemacht, ich habe in wahnsinnig schnellem Tempo sehr viel über Gott gelernt, mein Leben hat sich komplett verändert. Ich bin heute ein anderer Mensch als vor zwei Jahren! Obwohl die Sachen, an denen ich immer wieder scheitere, die gleichen sind, mein Selbstwertgefühl, mein Misstrauen, mein Leistungsdenken, weiß ich mittlerweile, dass es nicht darum geht, ein perfekter Christ zu sein. Es geht vielmehr darum, jeden Tag neu mein Leben in Gottes Hand zu legen. Mich jeden Tag aufs Neue zu entscheiden, ihm zu vertrauen. Es ist auch eine Entscheidung, das, was Gott über mich sagt, anzunehmen und beginnen, es zu glauben. Dass ich gut genug bin. Dass ich geliebt bin vor jeder Leistung und trotz aller Schuld. Und das es Zeit ist, aufzustehen und seine Botschaft in die Welt zu tragen. Und ich weiß, dass Gott mich niemals aufgegeben hat, egal wie oft ich weggelaufen bin und versucht habe, es allein zu schaffen.

ER ist immer treu. Und er wird mich niemals im Stich lassen.

Bernadette Baumgartner

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