Duc in altum Blog

MONTAG 17.6.
Suche nach Weisheit

Im Zuge unserer gemeinsamen philosophisch-theologischen Wahrheitssuche der beiden letzten Jahre sollte sich vor allem unser Blick verändern, mit dem wir dem Menschen, der Welt und Gott begegnen. Weder „der Mensch“ als Allgemeinbegriff oder als Projekt unseres Selbst, noch „der Christ“ – erlöst durch die Gnade zum besseren Menschen oder erleuchtet durch abgehobene Weisheit – , sind Mittelpunkt und Ziel unseres Suchens.

Vielmehr zeigt sich im Herzen des heutigen Menschen, in seiner Zerbrechlichkeit und seinem unstillbaren Durst nach Glück, das Geheimnis seiner Person als neue Fragestellung und Zeichen der Zeit. Im Versuch, die menschliche Person zu entdecken, sie zu beschreiben und die Stimme ihres Herzens zu hören, erscheint die Frage nach ihrer Identität, Orientierung und Sinnhaftigkeit in einem neuen Licht. Sie steht im Zusammenhang mit den aktuellen Ereignissen, Veränderungen und Hoffnungen der modernen Welt und Gesellschaft und verlangt einen neuen Aufbruch zur Suche nach Weisheit.

Inspiriert durch das Licht der Kirche und orientiert durch die Perspektive des II. Vatikanums sind wir aufgerufen, die Ereignisse der heutigen Welt als Zeichen der Zeit und als Sprechen des Geistes wahrzunehmen, die uns erlauben das Geheimnis des fleischgewordenen Wortes mitten in der Welt neu zu entdecken.

 

DIENSTAG 21.5.
Die Hingabe Gottes

Aus Liebe hat Gott den Menschen geschaffen und sich in der Fleischwerdung mit ihm vereinigt. Diese Hingabe Gottes an die Menschen findet ihr Ziel und letzten Sinn im Geheimnis der Kirche, denn sie ist der Weinstock, der Tempel, der Leib und die Braut Christi. Mit diesen wenigen, aber anschaulichen Bildern lässt uns die Bibel den Lebensbund zwischen Gott und dem Menschen, die Kirche, tiefer erfassen.

Und Christus spricht seine Kirche vor allem als Braut an, da er sich im Bündnis der Ehe ihr für immer anvertraut. Als Braut empfängt, bewahrt und entfaltet sie zunächst sein Wort. Sie zieht aus diesem Licht des Wortes ihre ganze Lebenskraft und legt es aus in Theologie, Lehramt und Tradition.

Aber Christus, der Bräutigam, begnügt sich nicht nur damit, seine Kirche zu belehren. Er wendet sich an seine Braut vor allem in der Sprache des Herzens, in der Sprache der Geste, er offenbart und schenkt ihr sein am Kreuz geöffnetes Herz. Als Braut empfängt die Kirche diese letzte und ultimative Geste und macht uns in den Sakramenten deren Bedeutung verständlich: Der gekreuzigte Gott schenkt sich uns mit Leib und Seele und verwirklicht auf diese Weise die Hochzeit des Lammes.

 

MITTWOCH 17.4.
Eine flüssige Welt?

Das Geheimnis der Auferstehung können wir in unseren Tagen in einer vollkommen neuen Perspektive entdecken, die der Osternacht ein anderes Gewicht gibt. Der Mensch der Technologie und des Transhumanismus arbeitet daran, sich selbst das Leben zu erschaffen, von dem er wünscht, dass es weder Leiden noch Tod kennt.

In Anbetracht dieser Allmachtsphantasien der Effizienz, deren Verwirklichung schon begonnen hat, entdeckt der Mensch zugleich auch ein Zunehmen seiner Schwäche und Zerbrechlichkeit. Wir leben heute in einer „flüssigen Welt“, in der sich ehemals Konsistentes aufzulösen beginnt: menschliche Bindungen, psychische Stabilität, Familie, Nation, Arbeit, Moral, Wahrheit etc.

Christus ist gekommen, um der Sehnsucht des Menschen nach Heil und Ewigkeit mit der Auferstehung der Osternacht zu antworten, und er tut dies in der absoluten Fragilität des Gekreuzigten und lässt sich so wiederfinden im Herzen der heutigen Welt, um uns neue Hoffnung zu schenken.

 

DIENSTAG 19.3.
Er gibt es freiwillig

Die Offenbarung schlechthin, die Hingabe Christi am Kreuz, der sich aus Liebe schenkt, ist das Licht, in dem wir Christus am tiefsten erkennen. Auf dem Kreuz ist Jesus der gute Hirt, der gekommen ist, damit wir das Leben haben (Joh 10,10). Er gibt uns das Leben, indem er sein Leben weggibt in der Liebe, denn er gibt es freiwillig. Und diese Hingabe ist das Wesen seiner Person.

Das Kreuz Christi ist daher zunächst nicht Wiedergutmachung unserer Sünden, er repariert auch nicht die durch Sünde beschädigte Gerechtigkeit, sondern Jesus ergreift durch das Kreuz die Initiative eines Liebenden, der uns zeigt, wie sehr er den Vater und uns liebt. Er offenbart dadurch, dass Gott Liebe ist, und bedient sich dafür all unserer Schwächen und Sünden, nimmt sie auf sich und gibt uns dadurch das Leben Gottes.

In den Tagen der Fastenzeit sind wir eingeladen, uns selbst aus dem Blick dieser Liebe zu erkennen. Dazu bedarf es der Metanoia, des Umdenkens, denn wir hoffen noch immer, auf dem selbst gemachten Boden unserer Existenz Solidität und Heil zu erlangen.

 

DONNERSTAG 21.2.
Auch in diese Dunkelheiten

Der Blick Gottes, der jetzt unser Schöpfer und Erlöser ist, erleuchtet uns dazu, freie Menschen und reife Christen zu sein, das bedeutet, uns als Kinder Gottes zu entdecken:
Es fehlt uns an nichts, Gott gibt uns alles!

Darum können wir unser vollständiges Nichts, unser ganzes Elend erkennen, denn in der Tiefe dieses Nichts, am Ende meines dunklen Egos, empfange ich die unaussprechliche Zärtlichkeit der bedingungslosen Liebe Gottes. „Duc in altum“ bedeutet, auch in diese Dunkelheiten meines Lebens hinauszufahren, um das Licht Gottes neu zu entdecken und kennen zu lernen.

In der Schule Jesu lernen wir, Kinder wie er zu werden, einverstanden zu sein, in aller Armut Augenblick für Augenblick alles aus der Freigiebigkeit des Vaters zu empfangen. Erfahren kann ich diese Selbstannahme und das Empfangenlernen durch meine Brüder und Schwestern, mit denen ich auf dem gemeinsamen Weg der Wahrheitssuche bin.

 

MITTWOCH 19.1.
Gott hat sich gezeigt

„Gott hat sich geoffenbart, er hat zu uns gesprochen“. Im Staunen über diese Entdeckung kommt unser gläubiges Herz an kein Ende. Im Licht dieser Gewissheit  wird es frei von jeder Angst. Gott hat sich gezeigt und sich mitgeteilt, er hat sich geoffenbart: Er kommuniziert sich uns im tiefsten Sinn des Wortes: er schenkt uns Sein und Leben, er spricht zu uns in seinem Wort, er leitet uns in seiner Führung, er vereint sich mit uns in der Gabe seines Sohnes bis zum Äußersten, er vergöttlicht uns durch die Sendung des Heiligen Geistes, er empfängt uns im Geheimnis seiner dreifaltigen Liebe. Offenbarung rettet, befreit und erlöst zu größerem Dasein. Sie begabt uns mit Gott.

Das Verlangen, sich zu offenbaren, sich dem anderen zu öffnen, um sich ihm ganz hinzuschenken, gehört zum Menschen, gehört zur Person, also auch zu Gott. – Er spricht durch Gesten und Worte, im Schweigen, durch Taten, Unterlassungen, im Zulassen, durch sein Verhalten und seine Werke. So zeigt er sein Antlitz.

„In seiner Güte und Weisheit hat es Gott gefallen, sich zu offenbaren“, sagt uns das II. Vatikanische Konzil in der Konstitution über die Offenbarung „Dei Verbum“. Durch diese Offenbarung sollen wir erkennen, dass es für Gott außerhalb seiner Güte und Barmherzigkeit keinen Grund gibt, uns zu erschaffen, und auch keine Notwendigkeit, sich uns zu offenbaren. Alles ist Gabe, ungeschuldete, unverdiente Liebe.

Wenn die Theologie das Geheimnis der Schöpfung und Offenbarung betrachtet, entdeckt sie Gott selbst in seiner Hingabe. Offenbarung ist keine Sache und auch kein Resultat, sondern zu ihr gehört wesentlich ein Empfangen, eine Erkenntnis und Liebe. Wenn wir Gott in seiner Hingabe an uns nicht wahrnehmen, dann ist Offenbarung nicht geschehen, dann ist nichts offen geworden. Aber Offenbarung öffnet auch uns für Gott und den anderen. Gott selbst befähigt uns, seine Offenbarung wahrzunehmen, er hilft uns zu antworten in der Gabe des Glaubens, und in der Hingabe unseres Lebens. Im Lichte dieses großen Geheimnisses wollen wir während des kommenden Duc-Wochenendes das Abenteuer unseres Lebens mit dem dreifaltigen Gott und unseren Brüdern und Schwestern betrachten.

 

MITTWOCH 19.12.
Der Unbekannte kommt zu uns als Kind

Die erfahrbare Welt ist Spur und Zeuge des Geheimnisses Gottes. Das denkende Herz des Menschen entdeckt dabei jedoch einen Gott, der ebenso beglückend gewiss wie rätselhaft erschreckend ist, denn er übersteigt uns unendlich und hinterlässt in uns die Erfahrung neuer Einsamkeit.

Weihnachten ist etwas anderes. Der Unbekannte kommt zu uns als Kind, in der Weise des Geschenkes einer Gegenwart. Diese Hingabe ist zusammengefasst in der Eucharistie: Bethlehem heißt “ Haus des Brotes“. Brot ist im Dienste dessen, der sich von ihm ernährt, es ist vollkommen auf den anderen ausgerichtet und behält nichts für sich zurück, und es wird eins mit dem Essenden. Jesus ist zunächst uns Menschen geschenkt, wie er dem Vater geschenkt ist, weil Gott Liebe ist.

Darum ist das weihnachtliche Licht der Ankunft des Wortes zunächst nicht verstehbares Licht, sondern kindliches Geschenk, das wir mit dem Herzen empfangen sollen. Christliches Leben verlangt daher von uns nicht Leistung, sondern sich Gott und dem Nächsten auszuliefern in der Liebe. Im Licht von Weihnachten dürfen wir dieses Geheimnis annehmen, das die Einsamkeit nicht kennt, denn Gott ist da.

 

MITTWOCH 26.11.
Jesus interessiert sich für die Wirklichkeit.

Jesus beginnt die Christologie mit der Frage: „Für wen halten mich die Leute?“ (Lk. 9,18) und fragt gleich darauf seine Jünger: „Für wen haltet ihr mich?“ (Lk. 9,19). Er fragt wie ein Philosoph und unterscheidet zwischen der Philosophie der Meinungen und der Philosophie der Wirklichkeit. Heute leben wir in einer Zeit der Meinungen – Jesus interessiert sich für die Wirklichkeit, dafür, was seine Jünger persönlich von ihm denken, nicht für die Meinung, die allgemein über ihn vertreten wird. Von der Unterscheidung dieser beiden philosophischen Zugänge hängt die Gesundheit der ganzen Person und des Geistes ab. Lebe ich in der Wirklichkeit oder in Meinungen? In Büchern, Bildern, die bereits vorgekaut sind, fix und fertig, nur noch zum „Schlucken“ – oder in der Wirklichkeit, in dem was gerade ist?

Aristoteles beschreibt den Weg von der Meinung zur Wirklichkeit. Er sagt, Wahrheitssuche ist miteinander sprechen – mich selbst mitteilen, etwas von mir geben. Die Weisheit Gottes will sich bis ins Äußerste mitteilen, deshalb wird Gott Mensch. Er kommt und will uns beweisen, dass er uns total liebt. Das einzige Wort, das Gott denkt, ist „Hingabe“, und dieses Wort ist sein Sohn, ist Christus. Er weiß, nur die Liebe kann uns überzeugen, nicht das Gesetz. Jesus ist wie die Brücke zwischen Gott und dem Menschen: So wie man mit einer Brücke in einer halben Minute über den Fluss kommt, so kommt man mit Jesus in einer Sekunde in Gott hinein.

Wir versuchen Christus zu betrachten, um dann das Wort Gottes empfangen zu können. Wenn ich weiß, wer die Person ist, versteh ich ihre Taten, ihr Sprechen. „Wer bist du?“ ist die Frage des Liebenden. Ich will den, den ich liebe, besser kennen lernen. Das christliche Leben ist nichts Abstraktes, Jesus ist da – im Menschen, in mir ganz konkret… das Wort ist Fleisch geworden. Wie leben wir unser Christentum: Lieb oder liebend? Es liebend zu leben verlangt Mitarbeit, Kooperation. Die erste Predigt Jesu ist Arbeit: Er arbeitet 30 Jahre, bevor er in die Öffentlichkeit geht. Er sagt damit, „Wenn du die Welt verstehen willst, arbeite“. Bei Jesus ist jede Sekunde zielgerichtet – alles, was er tut, in der Krippe liegen, arbeiten, predigen, ans Kreuz gehen – tut er für mich… weil er mich liebt. Theologie ist nicht Wissen, sondern Eintreten ins Herz Gottes. Gott ist absolut einfach à Er IST. Christus ist die Rückkehr des Menschen zum Vater. Der Duktus von Duc, also die Bewegung von Duc, ist wie eine Brücke von mir zur Wirklichkeit.

 

MITTWOCH 26.09.
Gott selbst kommt und gibt uns Antwort.

Im Rückblick auf das vergangene Jahr haben wir entdeckt, dass sich die Philosophie für den Menschen in all seinen Dimensionen interessiert…In seinem Suchen fragt der Mensch nicht nur nach Sinn und Ziel seines Tuns und Handelns sondern ist geleitet von der letzten Frage nach dem Sinn und Ziel unseres Daseins.

 

Die Theologie beginnt mit einer Entdeckung und einem Staunen: Gott selbst ist gekommen, um uns Antwort zu geben und sich selbst als diese Antwort zu schenken.

Und diese Antwort und Gabe bleibt uns Menschen nicht fremd, sie dringt vor bis in unser Herz und unseren Verstand: Christus lädt uns ein zu einer Freundschaft mit ihm, um uns das Geheimnis des Menschen und Gottes zu zeigen und zu Kindern des Vaters zu machen. In dieses Licht wollen wir uns dieses Jahr von neuem stellen, um die Gabe Gottes in unserem konkreten Leben zu empfangen.

 

 

DONNERSTAG 13.09.

„Meister, wo wohnst du?“

Wir werden eine Brücke schlagen zwischen der Philosophie und der Theologie, zwischen dem Denken und dem Glauben oder wie das Evangeliums sagt: Wir suchen die Begegnung mit Christus, der uns das Geheimnis Gottes und des Menschen offenbaren will. Wir suchen es mit unserem Denken, nach dem Motto: „Du sollst den Herrn deinen Gott lieben, mit ganzem Herzen, ganzer Seele und all deinem Denken.“(Mt.22,37)

Denn Christus selbst ist die wahre Brücke zwischen Gott und dem Menschen (hl. Katharina v Siena). Er ruht am Herzen des Vaters und hat uns Kunde gebracht.

 

 

adminDuc in altum Blog